Angriff auf den Veganismus: Kitkat wieder mit Katze
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| Nestlé hat den veganen KitKat-Riegel wieder eingestellt. Schokoladenfreunde mochten ihn nicht. |
Aus rot wurde grün, aus eklig tierisch lecker vegan. Vor zwei Jahren besann sich der Schweizer Lebensmittelmulti der vielen da draußen, die darauf warteten, den klassischen Kitkat-Riegel auch einmal kosten zu dürfen. Doch "Have a break, have a KitKat" gab es zwar seit rund fünfzig Jahren in Deutschland. Doch nur als Riegel mit Milch. Die ganze Vielfalt der Genießer erreichte Nestlé damit nicht. Millionen Veganer blieben außen vor.
Kleine Lebensmittelrevolution
Es war eine kleine Lebensmittelrevolution, als der so oft wegen seiner großindustriellen Methoden kritisierte Konzern auf die wachsende Randgruppe der Tierverächter zuging. Unter dem Motto "Aus Rot mach Grün" hatten die Lebensmittelingenieure erstmals rein vegane Zutaten zu einer Art KitKat zusammengerührt.
Und neben leckeren Genussmomenten für die, die keine richtige Schokolade mögen, brachte der neue vegane Katzenriegel noch "noch einen weiteren Effekt mit sich", wie Nestlé lobte: Er war gut für unseren Planeten, "weil pflanzliche Alternativen zu Milch und Co. für gewöhnlich einen besseren ökologischen Fußabdruck haben – sie brauchen weniger Ressourcen".
Seit eben sogar noch weniger, denn Nestlé folgt nun schon wieder einem großen Trend. Angesichts der katastrophalen Entwicklung bei veganen Pionierfirmen wie die dem US-Unternehmen Beyond Meat und der schwedischen Vegan-Milch-Giganten Oatly drehen die Schweizer die Uhr zurück. Nestlé nimmt das vegane Kitkat vom Markt, die "Ikone" (Nestlé'e), die sich modern verändert hatte, ändert sich noch einmal. Deswegen gibt es KitKat ab sofort nicht mehr in der neuen Variante, sondern nur noch in der alten Variante, komplett unvegan.
Katze als Glücklichmacher
Kein kleiner Extra-Wohlfühlmoment mehr für die, die Katze im Glücklichmacher ablehnen und deshalb nie Zugang zu Deutschlands beliebtestem Schokoriegel von Nestlé fanden. Auch das Klima muss wieder leiden, denn Nestlé schließt sich dem Trend an, dass immer mehr vegane Produkte wieder aus den Supermärkten verschwinden.
Zwar sprechen die höheren Renditen, die sich mit Ersatznahrung aus Zwiebeln, Soja, Rapsöl, Stärke, Bambusfasern, Cellulose, Algen, Sonnenblumen, Kartoffelresten, Citrusfasern, Gewürze, Kochsalz und Branntweinessig erwirtschaften lassen, aus Konzernsicht für die umweltschonende Alternative. Die sture Verweigerung vieler Käufer, sich mit einer "pflanzenbetonten Ernährung" (Cem Özdemir) abfüttern zu lassen, spricht allerdings dagegen.
Abschied von der grünen Null
Obwohl etwa KitKat mit einem "um 18 Prozent kleineren Kohlendioxid-Fußabdruck im Vergleich zu echter Schokolade" wirbt, sträubten sich viele Liebhaber des Milchschokoladen-Riegels, das aus fragwürdige Zutaten zusammengerührte Produkt zu essen. Auch die Aussicht, damit zum Nestle-Ziel der "Grünen Null" beizutragen und dem Lebensmittelgiganten zu helfen, bis 2050 in der gesamten Wertschöpfungskette Netto-Null-Emissionen zu erreichen, vermochte nicht ausreichend Käufer zu überzeugen.
Wie sich viele Unternehmen anfangs dem Trend anschlossen und nach abenteuerlichen Rezepturen versuchten, aus veganen Zutaten Fleisch, Wurst, Milch und Schokolade im Hochofen nachzubauen, so fliehen jetzt viele wieder. Die Weltmarktpioniere Beyond Meat und Oatly mahnen, die Liste der geplatzten veganen Träume ist lang: Wurst ohne Fleisch läuft nicht, Milch aus Hafer ist nicht gefragt, vegane Supermarktketten haben es schwer und pflanzliche Alternativen führen zu finanziellen Problemen.
Vegetarisches Gyros
Es gibt inzwischen zwar kaum noch ein Lebensmittel, zu dem keine vegane Alternative existiert, der Hersteller Rügenwalder hat seine "Schinken-Spicker" sogar nur noch ohne Schinken im Angebot. Doch ob vegetarisches Gyros, vegane Salamipizza oder Leberwurst –richtig gut läuft es nicht.
Nach Angaben von "Rügenwalder", einer Firma, die eiliger als alle anderen versucht hat, sich an die Spitze der veganen Bewegung zu stellen, muss heute konstatieren, dass die nur noch 22 aus traditionellen Rohmaterialien hergestellten Würste mit Fleischanteil im Angebot weiterhin knapp die Hälfte des Absatzes der Firma ausmachen. Die mehr als 50 fleischlosen Wurstprodukte hingegen kommen zusammen auf kaum mehr.
Es wird ernst
Ein Warnzeichen. Selbst große Hersteller wie Nestlé, die versucht hatten, auf den Zug zu springen und mit Ersatznahrung vermeintliche vegane Alternativen auf den Markt zu bringen. McDonald's nahm die veganen Eissorten McFlurry und McSundae aus dem Sortiment, Neuburger stellte die Veggie-Marke "Hermann" wegen mangelnder Nachfrage ein.
Für Veganer:innen, die ihre Sache wirklich ernst nehmen, gibt es mittlerweile wieder weniger Auswahl an Ersatznahrung. Nestlé argumentiert mit der Nachfrage: "Klassische Schokoladenprodukte dominieren im Riegelsegment und sorgen für den größten Umsatzanteil", behauptet eine Unternehmenssprecherin. Man habe sich daher entschlossen, "KitKat Vegan" nicht mehr anzubieten.
Schokofans wollen kein Klima retten
Für das Weltklima, das der erste vegane Schokoriegel von Nestlé aus dem Schokoladenwerk in Hamburg mitretten sollte, sind das üble Nachrichten. Pro Tag liefen zu Hochzeiten 800.000 pflanzliche Kitkats "für die globale Bühne" (Nestlé) vom Band.
Doch wie in Deutschland verweigerten die Konsumenten auch in anderen Ländern den Kauf von "Kitkat V" und die Mitwirkung am Einsparen von Emissionen. Nestlé, in den vergangenen Jahren insgesamt schwer unter Druck geraten, weil sich mit eingesparten Treibhausgasemissionen kaum Gewinne erwirtschaften lassen, ist unter Leitung des neuen Konzernchefs Laurent Freixe dabei, sich von allerlei Illusionen zu verabschieden.
Greift die kommende Bundesregierung nicht entschlossen ein, indem sie den Nahrungsmittelherstellern eine feste Vegan-Quote vorgibt, könnte das Angebot weiter erodieren. Deutschlands Klimaziele, mittlerweile nahezu die letzten, die weltweit noch entschlossen verfolgt werden, gerieten dann zunehmend außer Reichweite.

Klar, wenn ich ein Schnitzel bestelle, will ich auch ein Schnitzel und keine höfliche Entschuldigung aus Soja, die mir erklärt, warum sie für die Umwelt besser wäre. Genauso kaufe ich ein KitKat, weil ich Lust auf Schokolade habe, und nicht, um den CO₂-Haushalt der Erde auszugleichen.
Dass Nestlé den veganen Riegel wieder einstampft, zeigt vor allem eins: Moralische Argumente verkaufen keine Süßigkeiten. Am Ende gewinnt eben das, was schmeckt egal ob Schwein, Kokos oder Kakaobohne. Und wenn’s wirklich lecker ist, findet es auch Käufer. Ganz ohne Weltrettungsauftrag. Zumal diese UNO-Klimagipfel seit Jahrzehnten nicht mal schaffen, sich auf die einfachsten Maßnahmen zu einigen: Vermüllung der Meere? Weiter so. Abholzung und Brandrodung? Läuft. Aber Hauptsache, wir diskutieren ernsthaft darüber, ob ein Schokoriegel vegan genug ist, um das Klima zu retten.
Wie soll eine feste, vorgegebene Vegan-Quote hier was ändern? Die freiwillig produzierten veganen Produkte wurden nicht gekauft, dann werden es die pflichtproduzierten auch nicht. Dem Käufer ist egal, WARUM das Produkt angeboten wird. Wenn er es nicht mag, kauft er es nicht.
Und ... Wo waren denn "die vielen Millionen Veganer", die außen vor blieben und endlich auch KitKat essen durften? Anscheinend haben sie es auch nicht gekauft, denn "viele Millionen Veganer" würden normalerweise im Umsatz schon einen entscheidenden Unterschied machen.